Eva Almstädt - Autor
© Olivier Favre

Autorin

Eva Almstädt

Eva Almstädt, 1965 in Hamburg geboren und dort auch aufgewachsen, absolvierte eine Ausbildung in den Fernsehproduktionsanstalten der Studio Hamburg GmbH und studierte Innenarchitektur in Hannover. Seit 2001 ist sie freie Autorin. Die Autorin lebt in Hamburg. 

Interview

»Es ist das Genre, das ich selbst am liebsten lese. Daher lag es nahe, mit einem Krimi zu beginnen« | 01.03.2021

Sie sind eine der erfolgreichsten Autorinnen Norddeutschlands. Der zuletzt erschienene Band OSTSEEGRUFT stieg auf Platz eins der Taschenbuch-Bestsellerliste ein, viele Ihrer Bücher waren Bestseller. Was macht den Erfolg der Pia-Korittki-Reihe aus?Ich glaube, es ist die Kombination verschiedener Fakt...

Sie sind eine der erfolgreichsten Autorinnen Norddeutschlands. Der zuletzt erschienene Band OSTSEEGRUFT stieg auf Platz eins der Taschenbuch-Bestsellerliste ein, viele Ihrer Bücher waren Bestseller. Was macht den Erfolg der Pia-Korittki-Reihe aus?
Ich glaube, es ist die Kombination verschiedener Faktoren. Zum einen ist da die Hauptfigur der Reihe, Pia, die durch ihre authentische Art und ihren besonderen Charakter das Interesse wachhält. Zum anderen ist es das Setting der Krimireihe an der Ostsee. Das Meer ist ein Sehnsuchtsort. Viele Menschen lesen gern Geschichten, die am Meer spielen. Und nicht zuletzt sind es natürlich die spannenden und abwechslungsreichen Plots meiner Romane, die die Leserinnen und Leser immer wieder fesseln (lacht).
Warum haben Sie sich für das Genre Krimi entschieden?
Es ist das Genre, das ich selbst am liebsten lese. Daher lag es nahe, mit einem Krimi zu beginnen. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass ich beinahe jedes Thema, das mich interessiert, in einen Krimi packen kann.
KALTER GRUND, Band eins der Reihe, ist 2004 erschienen – inwiefern hat sich Ihre Protagonistin im Laufe dieser siebzehn Jahre weiterentwickelt?
Von der jungen, etwas unbedarften, aber ehrgeizigen Kriminalkommissarin zur Hauptkommissarin, die alleinverantwortlich eine Ermittlung leitet, war es ein weiter Weg. In Pias Privatleben gab es viele Wendungen, Schicksalsschläge und Überraschungen, an denen sie gereift ist und die sie verantwortungsbewusster, aber wohl auch kompromissloser gemacht haben.
Mit OSTSEEFALLE erscheint der sechzehnte Band – Wie behalten Sie bei so vielen Büchern den Überblick über zuvor angelegte Erzählstränge und Entwicklungen?
Das funktioniert nur mithilfe sehr vieler Notizen, die beim Schreiben jedes einzelnen Romans entstehen. Die Handlung des Krimis, die Vorgeschichte, die Figuren, ihre Biographie, ihre Eigenheiten und alles, was sonst noch wichtig ist, halte ich in verschiedenen Dokumenten fest. Einmal habe ich tagelang in alten Dateien nach dem Namen von Pias Neffen gesucht, um dann festzustellen, dass ich ihm noch keinen Namen gegeben hatte. Außerdem plane ich meine Krimis genau, besonders die Figuren und den „Plot vor dem Plot“, also das, was vor dem Beginn der Handlung passiert ist. Trotzdem ändert sich beim Schreiben natürlich immer noch einiges.
Sicher kennen Sie Ihre Protagonistin nach so vielen Jahren sehr gut – wie schaffen Sie es, auch die Leserinnen und Leser abzuholen, die vielleicht noch nicht Pia-Korittki-Fan der ersten Stunde sind?
Das ist eine Herausforderung, denn ich will diejenigen, die die gesamte Reihe kennen, ja nicht mit Wiederholungen langweilen. Daher versuche ich, alles Wichtige zu vermitteln, während ich Pia in Aktion zeige. Ich lasse wichtige Elemente aus ihrer Geschichte oder über ihren Charakter in die Handlung einfließen.
Schon im letzten Band gab es ein Wiedersehen mit Marten Unruh, der nun beim LKA in Kiel arbeitet. Marten und Pia haben eine etwas komplizierte Beziehung, sie waren nur wenige Wochen lang ein Paar, dann verschwand Marten von einem Tag auf den anderen. Seitdem haben sie sich immer wiedergetroffen. Einmal in Italien, später in Lübeck. Was verbindet die beiden?
Die beiden verbindet ihre gemeinsame Geschichte. Sie haben einige dramatische, auch gefährliche Situationen zusammen durchgestanden und kennen sich mittlerweile gut. Gleichzeitig sind sie sich immer noch fremd, was die Spannung zwischen ihnen aufrechterhält und sie an einander fasziniert.
Pia war anfangs die einzige Frau in der Lübecker Mordkommission. Auch heute muss sich die alleinerziehende Mutter in dieser von Männern dominierten Welt noch behaupten. Was denken Sie, gibt es Berufe, die sich beim Thema Gleichstellung besonders schwertun?
Traditionelle Männerberufe machen es Frauen vermutlich schwerer, sich zu behaupten. Manchmal hängt es wohl auch damit zusammen, dass Frauen in einigen Bereichen eher an körperliche Leistungsgrenzen stoßen.
Hauptkommissarin Pia Korittki übernimmt die Ermittlungen im Fall eines gefundenen Totenschädels, der sie schnell zu einem „Cold Case“ führt. Lassen Sie sich bei Ihrer Recherche von wahren Fällen inspirieren?
Nein, das tue ich nicht. Reale Fälle haben für mich oft etwas Bedrückendes. Ich müsste aufpassen, keinerlei Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Mich interessiert an realen Fällen, wie Polizei und Rechtsmedizin arbeiten. Aber das eigentliche Verbrechen denke ich mir lieber aus.
Sie schreiben ein Buch pro Jahr – Ihre Bücher erscheinen immer im April vor der Buchmesse, die in diesem Jahr wieder nicht stattfinden wird. In wieweit strukturiert das Schreiben ihr Leben?
Das Schreiben strukturiert es sogar zweifach. Ich sitze eigentlich jeden Morgen zwischen acht und neun Uhr am Schreibtisch und beginne zu schreiben, und zwar nach einem festen Plan, wie viele Seiten ich schaffen will. Und dann ist da noch der sich wiederholende Jahres-Rhythmus aus Erscheinungstermin, Lesungen, Schreib- und Korrekturphasen, Recherchen für das neue Buch, etc.
Ihre Bücher spielen an der Küste und im Umland von Lübeck. Wie finden Sie Ihre Schauplätze? Haben Sie zu vielen dieser Orte einen persönlichen Bezug?
Mich hat ein Wohnort in Ostholstein zu meinem ersten Krimi inspiriert, insofern war das recht persönlich. Die anderen Orte kenne ich aus meiner Kindheit oder von vielen Ausflügen an die Ostsee. Habe ich mal wieder einen Schauplatz gefunden, „erarbeite“ ich ihn mir, indem ich hinfahre und recherchiere, Menschen treffe, die dort leben und arbeiten. Inspirieren lasse ich mich auch von dem, was mir die Leute erzählen. Und dann entwickelt sich meine Geschichte. Manchmal schreibe ich auch vor Ort, um den Schauplätzen nahe zu sein.
Ein Schauplatz im neuen Buch ist ein Binnenschiff. Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ihre Schauplätze sehr genau auswählen, sind Sie schon einmal auf einem Containerschiff gewesen?
Ich hatte das Glück, kurz vor dem Lockdown noch einen Recherchetermin auf einem Binnenschiff zu bekommen, das gerade bei einer Werft in Lauenburg am Pier lag. Ohne solche Einblicke könnte ich die entsprechenden Szenen nicht schreiben.
Für die Zeit nach dem Lockdown, wenn man wieder reisen kann: Nennen Sie uns Ihre Top-5 Lieblings(reise)ziele an der Ostsee?
Da gibt es viele: Lippe und Hohwacht, das Brodtener Ufer in Travemünde, der Hafen von Niendorf, Scharbeutz, Kellenhusen und Grömitz …
In Ihrem neuen Buch OSTSEEFALLE gerät Pia in große Gefahr, am Ende wird der Fall aufgeklärt und doch bleibt einiges offen – schreiben Sie schon an Band 17?
Ich bin heute auf Seite 263 angekommen!

Interview

Interview | 15.04.2014

Seit 2004 hat Eva Almstädt Erfolg mit ihrer Krimi-Reihe, die an der Ostsee spielt. Mit Ostseesühne erscheint im April 2014 der neunte Fall um die Lübecker Kriminalkommissarin Pia Korittki. Im Interview erzählt die gebürtige Hamburgerin unter anderem, wie die Idee zum neuen Krimi entstanden ist und w...

Seit 2004 hat Eva Almstädt Erfolg mit ihrer Krimi-Reihe, die an der Ostsee spielt. Mit Ostseesühne erscheint im April 2014 der neunte Fall um die Lübecker Kriminalkommissarin Pia Korittki. Im Interview erzählt die gebürtige Hamburgerin unter anderem, wie die Idee zum neuen Krimi entstanden ist und was sie selbst mit der Ostsee verbindet.
In Ihrer Reihe um Pia Korittki musste sich die Hauptfigur bereits einigen Herausforderungen stellen. Was kommt diesmal auf sie zu und was erwartet uns als Leser?
In Ostseesühne ermittelt Pia Korittki in einem unheimlichen Fall. Ein Toter wird auf dem Gelände eines Bauernhofs gefunden, doch der Hof ist verlassen. Von den Bewohnern, einer dreiköpfigen Familie, fehlt jede Spur. Die Kommissarin wird im Dorf mit Gerüchten und Vorurteilen über die verschwundene Familie konfrontiert, die sich zu bestätigen scheinen, als auch noch ein Mädchen tot in einem Eiskeller liegt. Als ein zweites Mädchen aus Lübeck vermisst wird, läuft den Ermittlern die Zeit davon. Gleichzeitig sorgt sich Pia um ihren kleinen Sohn Felix. Hinnerk, sein Vater, und dessen Freundin Mascha, wollen mehr Zeit mit ihm verbringen, als es Pia lieb ist, und ihr Lebensgefährte Lars Kuhn erwartet eine Entscheidung von ihr, wie es mit ihrer Beziehung weitergehen soll.
Im Mittelpunkt steht die alleinerziehende Kriminalkommissarin Pia Korittki und ihr Sohn Felix. Was zeichnet diese Figur aus?
Sie ist eine sehr engagierte Polizistin und ihr Beruf nimmt einen hohen Stellenwert in ihrem Leben ein. Sie setzt bei Ermittlungen stets alles daran, den Täter zu finden, auch wenn sie dabei ungewöhnliche Wege gehen oder sich in riskante Situationen begeben muss. Ihr langjähriger Teamkollege Broders spielt als vernünftiger Gegenpol mit seinen kritischen bis sarkastischen Bemerkungen für sie eine wichtige Rolle.
Pia Korittki kämpft oft mit ihren Gefühlen, sei es das Mitgefühl für die Opfer oder die Wut auf Ungerechtigkeiten, denen sie in ihrem Beruf begegnet. Trotzdem liebt sie die Herausforderung und lässt sich nicht von dem abhalten, was ihrer Meinung nach getan werden muss.
Nicht ganz so gut läuft es in ihrem Privatleben, wo ihre Gefühle oft die Oberhand gewinnen. Sei es ihre Sorge um Felix, dem sie trotz ihrer aufreibenden Arbeit eine gute Mutter sein will, seien es Zweifel einen neuen Mann in ihrem Leben betreffend. Den Job bei der Kriminalpolizei, ihre Mutterrolle und eine neue Partnerschaft in Einklang zu bringen, ist wohl eine ihrer größten Herausforderungen.
Wie ist die Idee zum Buch entstanden?
Bei meinem Schreiben werde ich in erster Linie von Orten inspiriert: In Ostseesühne war es die Faszination für mittelalterliche Turmhügelburgen in Schleswig-Holstein. In der Nähe meines Wohnortes gibt es die Turmhügelburg Arnesvelde, die mich schon als Kind interessiert hat. So ein Ort, ebenso wie ein alter Eiskeller, schienen mir die richtigen Schauplätze für den neunten Fall zu sein. Ich brauche eine bestimmte Atmosphäre, damit in meiner Fantasie eine Geschichte ihren Anfang nimmt.
Was ist für Sie das Besondere am Schauplatz „Ostsee“?
An der Ostseelandschaft fasziniert mich das Raue und Einsame, das eher in den Wintermonaten oder abseits der Touristenorte zu finden ist: Kleine Dörfer, Gutshäuser, windschiefe Katen, die Knicklandschaft und die Küste bei Wind, Regen oder Nebel. Kontrastierend dazu steht die historische, aber lebhafte Stadt Lübeck, von wo aus Pia Korittki ihre Ermittlungen aufnimmt.
Wie sind Sie beim Schreiben des Krimis vorgegangen?
Für das Schreiben eines Krimis benötige ich meist ein Jahr. Wenn ich eine Grundidee habe, verknüpft mit einem Handlungsort, überlege ich mir, welche Figuren dort agieren können. Ich gebe ihnen Namen, entwickle ihre Charaktere, Umfeld, Aussehen, denke über die Entwicklung nach, die sie durchlaufen haben, bevor die Krimihandlung begonnen hat. Vorab und während des Schreibprozesses verbringe ich viel Zeit mit der Recherche. Dann erstelle ich einen Szenenplan und entwickle die einzelnen Szenen des Romans. Anschließend schreibe ich zügig die erste Rohfassung, die stets noch mehrfach überarbeitet wird.
Welche Figur stellte die größte Herausforderung für Sie dar?
Immer wieder Pia Korritki, weil sie so vielschichtig ist und die sich permanent weiterentwickelt. Die Figuren, die zum Beispiel die Verbrechen begehen, fallen mir leichter. Wenn ich erst einmal verstanden habe, warum sie tun, was sie tun, erzählen sie sich beinahe von allein.
Gibt es einen Lieblingsplatz, an dem Sie gerne an Ihren Büchern arbeiten?
In der Schreibphase geht nichts über mein Arbeitszimmer zu Hause. Auf Recherchetour fahre ich am liebsten mit einem alten Landrover. Das ist zwar nicht unbedingt bequem, aber im Zweifelsfall ist alles dabei: Fernglas, Stühle, Tisch, Campinggaskocher, sogar eine „Dachterrasse“. Wenn ich noch in der Ideenfindungsphase bin, sitze ich auch gern mal in der Coffee Lounge in Bargteheide oder einem anderen gemütlichen Café, wo ich von Menschen umgeben bin.
Die Ostsee ist ein beliebtes Ferienziel für Familien. Wo verbringen Sie gerne Ihren Urlaub?
Ich bin von meinem Wohnort innerhalb kurzer Zeit an der Ostsee und in der holsteinischen Schweiz. Meine derzeitigen Lieblingsorte sind Travemünde, Niendorf, Scharbeutz, der Priwall, Hohwacht, Lippe und mein ehemaliger Wohnort Grebin. Ich entdecke aber auch immer wieder neue Ecken. Im Urlaub zieht es mich meistens in Länder und zu Orten, die ich aus Büchern kenne und mit denen ich Geschichten verbinde. Was wäre z. B. Edinburgh ohne die Erinnerung an das Schicksal von Maria Stuart und David Rizzio oder ohne die Krimis von Ian Rankin?

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